Die Deutsche Welle ist der Auslandsrundfunk Deutschlands. Sie versteht sich als mediale Visitenkarte Deutschlands und ist vielen Deutschen vor allem aus Auslandsaufenthalten oder Urlauben bekannt. Dabei geht ihr Anspruch journalisitischer Produktionen weiter, als Urlauber über Nachrichten ihres Heimatlandes zu informieren.
Die Deutsche Welle hat den gesetzlichen Auftrag, deutsche und andere Sichtweisen zu vermitteln, den Dialog der Kulturen zu fördern, unabhängig, wahrheitsgetreu und Pluralistisch zu berichten und damit auch am kulturellen Diskurs Deutschlands teilzuhaben. Das Deutsche-Welle-Publikum setzt sich somit keineswegs nur aus Deutschen im Ausland zusammen, sondern wird von interessierten Hörern und Fernsehzuschauern aus aller Welt empfangen."Die Angebote der Deutschen Welle sollen Deutschland als europäisch gewachsene Kulturnation und freiheitlich verfassten demokratischen Rechtsstaat verständlich machen", so ein Teil des Programmauftrags der Deutschen Welle, die anders als die öffentlich-rechtlichen Sender von ARD und ZDF nicht gebühren- sondern steuerfinanziert wird.
Die Deutsche Welle möchte aus der Mitte Europas berichten. Damit ist bereits originär festgelegt, dass die Deutsche Welle auch ein Studio im Herzen Europas unterhält - in Brüssel.
Im April 2007 absolvierte ich dort ein journalistisches Praktikum beim Fernsehsender der Deutschen Welle, DW-TV. Die Fernsehkorrespondenten liefern von dort aktuelle Beiträge für die Nachrichtensendungen von DW-TV, für Magazine oder Interviewsendungen und produzieren außerdem das Wochenmagazin "Europa aktuell". Sowohl bei den "Aktuellen" als auch in der Magazin-Redaktion konnte ich viele neue journalistische Eindrücke gewinnen und die Arbeit von Auslandskorrespondenten hautnah erleben. Der Themenschwerpunkt im Studio Brüssel liegt natürlich bei allen europarelevanten Themen: Aus der EU-Kommission, dem Europäischen Rat und dem Parlament. Hier besuchte ich bspw. Presse-Briefings der Kommission oder Briefings für das Justiz- und Innenministertreffen, das während meines Praktikums in Luxemburg stattfand. Auch dieses Ereignis wurde vom Studio Brüssel abgedeckt, ebenso wie die Berichterstattung über die Präsidentschaftswahlen in Frankreich. Besonders aufschlussreich war es für mich bspw., dem zuständigen Redakteur und seinem Cutter bei der Produktion seiner Frankreich-Beiträge über die Schulter zu schauen.
Weiteres Schwerpunktthema der Brüssel-Redaktion ist die Berichterstattung über Nato-Angelegenheiten. Im Vorfeld des Nato-Außenministertreffens in Oslo besuchte ich für die Redaktion ein Vorab-Pressebriefing. Hier wurde mit internationalen Journalisten besprochen, welche Themen auf der Agenda des Treffens stehen, welche Gäste erwartet werden und welche Schwerpunkte gesetzt werden sollen. Diese Konferenzen und Briefings werden entweder in englischer oder französischer Sprache abgehalten - für mich eine besondere Herausforderung, die an sich bereits komplexen Zusammenhänge auch in zwei Fremdsprachen zu verstehen.
Besonders beeindruckt hat mich der schnelle Wechsel zwischen den Sprachen. Fragen werden auf Französisch gestellt und auf Englisch beantwortet oder umgekehrt. Auch Deutsch spielt - in Zeiten der deutschen EU-Ratspräsidentschaft besonders - eine wichtige Rolle. So besuchte ich bspw. eine Pressekonferenz des deutschen EU-Kommissars Günther Verheugen, der zusammen mit dem deutschen Astronauten Thomas Reiter über die Fortschritte des europäischen Navigationssystems Galileo informierte. Darüber wurde natürlich auf DW-TV, in der Nachrichtensendung "Journal" berichtet, so dass ich immer wieder dem Entstehungsprozess von aktuellen - manchmal auch unter Zeitdruck entstehenden - Beiträgen beiwohnen konnte. Beeindruckend war die Themenauswahl - Roaming-Gebühren, Galileo, Sudankrise, Raketenabwehrsystem, EU-Beitritt der Türkei, der weltweite Klimawandel, Präsidentschaftswahlen in Frankreich und die Reaktionen aus der EU, die Ermordung dreier Christen in der Türkei und die europaweite Bestürzung darüber u.v.m. - große Themen, die ich im Lokaljournalismus naturgemäß nie behandelt habe.
Für die Redakteure des wöchentlichen Magazins "Europa aktuell" verfasste ich regelmäßig Pressetexte, half bei der Auswahl der Beiträge mit und begleitete die Redaktion zur Aufzeichnung der Sendung. Oft müssen Beiträge externer Autoren für das Format gekürzt werden - auch diese Aufgabe übernahm ich. Cutter und Kameraleute setzen sich aus einheimischem Personal zusammen, so dass auch hier vor allem englisch, manchmal auch niederländisch kommuniziert wird. Weitere Aufgaben innerhalb meines Praktikums waren die Sichtung von Agenturen, das Recherchieren für aktuelle Stücke, Terminrecherche und die Zuarbeit für die aktuellen Beiträge der Redakteure.
Das vierwöchige Praktikum bei der Deutschen Welle in Brüssel gab mir einen einmaligen Einblick in die Arbeitsweise von Auslandskorrespondenten. Die Tatsache, dass mein eigener journalistischer Handlungsspielraum etwas begrenzt war, soll nicht verdecken, dass die Erfahrungen, die ich dort sammelte, mir eine einmalige Chance für meine persönliche Weiterentwicklung als angehende Journalistin geboten haben. Naturgemäß ist es in einer Fernsehredaktion, noch dazu in einer Auslandsredaktion schwer, Praktikanten anspruchsvolle Aufgaben zuzuweisen. Dennoch gelang es mir in Brüssel, alle Arbeitsabläufe kennenzulernen, die EU-Institutionen von innen zu erleben und die Redakteure in ihrer alltäglichen Arbeit zu unterstützen.
Die Vermittlung des Praltikums durch die KNA-PROMEDIA-Stiftung und ihre finanzielle Unterstützung ermöglichten mir erst diese einmaligen Erfahrungen, die neben der Arbeit natürlich auch das Kennenlernen der beeindruckenden Stadt und ihrer großen ausländischen Community beinhaltete. In der Deutschen-Welle-Redaktion fühlte ich mich vom ersten Tag an sehr gut aufgenommen und wusste das gute Arbeitsklima zu schätzen. Zu erwähnen wäre an dieser Stelle nur noch mein glückliches Händchen bei der Auswahl einer Unterkunft in Brüssel. Ich wohnte für vier Wochen in einer Wohngemeinschaft im Herzen Brüssels, zwei Minuten vom Grand Place entfernt bei einem Assistenten einer deutschen Europaabgeordneten der Grünen. Auch deshalb fällt mein Fazit über die vier Wochen in Brüssel durchweg positiv aus.
Herzlichen Dank dafür!
Geschrieben von Christina Zäpfel am 30.04.2007.
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